Spieletester – ein Traumjob?

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Redakteur sein ist cool! Jeder Gamer träumt davon, einmal Spieletester zu sein. Testexemplare von zahlreichen neuen Videospielen flattern regelmäßig und kostenlos ins Haus und dürfen auf Herz und Nieren überprüft werden. Ist das fett? Was gibt es denn bitteschön geileres? Nun ja, zum einen gibt es selten eine Ein-Mann-Redaktion und nicht jeder Hit wandert in die eigene Konsole. Außerdem und das ist wohl der große Punkt, werden in der Welt der Videospiele nicht nur Hits geboren. Den Großteil machen durchschnittliche Titel aus und auch die liegen jedem Redakteur schon bald ungefragt vor. Schnell sitzt man also vor der Konsole und ärgert sich über schlechte Filmumsetzungen und Spiele, die die Welt nicht braucht. Wenn man dann irgendwann weit genug gespielt hat, kann man erst einmal durchatmen. So lange, bis man vor einem leeren Dokument sitzt, welches mit Worten gefüllt werden soll.

Natürlich gibt es Spiele, die schon wieder so schlecht sind, dass man sich beinahe auf das Schreiben freut, um sich an den gemeinsamen Spielstunden zu rächen. Doch was ist mit Spielen, die keineswegs grottig sind, aber auch meilenweit von gut entfernt? Spiele, über die man nicht ausgelassen jubeln, über die man sich aber auch nicht maßlos ärgern kann. Hier braucht der Redakteur Ausdauer. Auch wenn ein Spiel überhaupt nicht seinem Geschmack entsprechen mag, es muss so lange gespielt werden, bis man bereit ist, den Gamern einen hilfreichen Test schreiben zu können. Beim Schreiben quält man sich dann mit widerspenstigen Formulierungen herum und opfert nach einem langen Arbeitstag seine wenige Freizeit.
Kann man sich vorstellen, ein und dasselbe Spiel gleich fünfmal testen zu dürfen? So geschehen mit der Puzzlereihe von Tivola. Gut, nach dem ersten Spiel gab es zwei neue Modi, anschließend aber keine Neuerungen außer frischen Motiven und anderen Melodien. Kein Problem, mag man da denken. Kennt man das eine Spiel, kennt man auch die Nachfolger und muss kaum noch Zeit ins Testen stecken. Sitzt man dann aber mal wieder vor einem leeren Dokument, dann rauft man nicht selten seine Haare, auf der Suche nach der vierten und fünften Umschreibung eines immergleichen Spiels.

Aber was wäre ich für ein unmotivierter Redakteur, wenn ich nur herum jammern würde? Wenn das frisch gepresste Exemplar von GTA: Chinatown Wars oder Wario Land: Shake Dimension im Briefkasten liegt und man sich begeistert auf die Controller stürzt, dann macht das natürlich Spaß. Sehr schöne Momente sind auch jene, in denen man von einem Spiel sehr positiv überrascht wird. Dann macht das Spielen und das anschließende Verfassen des Reviews besonders viel Spaß. Gerade das Schreiben gefällt mir sehr gut und ich schätze, dass ich durch die vielen Tests erst so richtig meine Freude daran entdeckt habe.

Fast noch spannender ist es, Publisher zu besuchen und dort heiß ersehnte Hits lange vor dem Release antesten zu können. Genauso wird es auch wieder auf der diesjährigen GamesCom aussehen. Hinter verschlossenen Türen werden der Presse in aller Ruhe alle Neuigkeiten präsentiert und man darf sich mit seinem Presseausweis richtig wichtig fühlen. Es hat schon seinen Reiz mit einem Pass binnen Sekunden von den übervollen Hallen in den fast schon leeren Pressebereich zu gelangen und dort entspannt Ruhe zu finden. In diesen Momenten ist es einfach cool, ein Spieletester zu sein.

Klar, ich gebe hier nur meine Erfahrungen als Hobby-Redakteur zum besten. Das ist nicht vergleichbar mit denen, die diese Tätigkeit wirklich den ganzen Tag ausüben. Da gibt es dann vermutlich sehr schnell das Problem, dass man das zwangsläufige Zocken irgendwann so satt hat, dass irgendwann vom ehemals so geliebten Hobby Gaming nicht mehr allzu viel übrig ist. Das trifft garantiert nicht auf jeden zu, allerdings merke ich bei mir in stressigeren Test-Situationen, dass die Lust am Zocken etwas leidet. Dennoch bin ich gerne Spieletester und werde euch auch weiterhin immer wieder mal Einblicke in meine Testeindrücke liefern.

4 Antworten

  1. Du beschreibst da gerade einen Teil meines Lebens 🙂
    Ich teste ja auch Spiele für eine große Internetseite und darf mich auch regelmäßig durch den Softwaremüll quälen (hab gestern erst meinen Verriss von „Für immer Shrek“ eingereicht).
    Wobei ich sagen muss, dass ich es liebe Verrisse zu schreiben. Nicht nur, weil ich dann weniger von den anderen Gamern gesteinigt werde (die Logik, dass schlechte Bewertungen besser ankommen als gute verstehe ich nicht wirklich), sondern einfach weil man da sehr viel kreativer sein kann.
    Aber du hast recht, am schwersten ist es über das Mittelmaß zu schreiben. Spiele, die nicht schlecht sind, aber auch nicht gut. Hier kommen die Worte zäher, was manchmal sehr nervig ist.

    Boni wie Publisherbesuche,… machen das alles aber wieder wett.
    Ich bin sehr happy mit meinem Job, auch wenn es heißt, dass ich mich ab und zu durch Sachen wie „Bermuda Triangle“ quälen muss und Gefahr laufe den Controller zu zertrümmern ;P

  2. Solche Gedanken hab ich mir auch schon gemacht. Wenn man den ganzen Tag nur zockt und zockt und danach schreibt und schreibt und dann sind es mal gute mal schlechte Spiele, ich glaube auch dass das einem die Laune verdirbt (Aber die guten Spiele spielt man dann selbstverständlich lieber). Spieletester ist auch mein Traumberuf und zwar auch jetzt noch. Aber so wie du es machst Sammy, wär mir auch viel lieber. Ich war ja kurze Zeit Redakteur auf ner kleinen Seit, ohne User und ich war da so gehypt, dass ich endlich Spiele testen durfte. Aber da die Seite so klein war (ca. 70 User), wars irgendwie klar, dass man da nicht einfach so an Exemplare kommt. Pii hat mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht und gesagt, dass das nix wird und er hatte bestimmt nicht unrecht. Ich bin sogar froh, dass ich dort wieder weggekommen bin. Vielleicht klappts ja irgendwann doch noch mit dem Hobby-Spieletester.

  3. @freakingmuse: Oh, sehe gerade, dass du sogar von der Partnerseite kommst. Aber als ich dort noch aktiv war, warst du wohl noch nicht angemeldet. 😉

    @Eagle26: Ich drücke dir die Daumen. Bleib am Ball. 🙂

  4. Schöner Post der mal ein paar interessante Einblicke gewährt. Ich habe zwar im Chat schon des öfteren mitbekommen, wenn sich einer von den Mods über die „tollen“ Testmuster freut, aber wirklich darüber nachgedacht habe ich da eigentlich nie. So toll ist das mit diesen Mittelmaßspielen wohl echt nicht. Aber so lang einem das schreiben Spass macht gehts ja. Fünf mal das gleiche Spiel neu zu beschreiben ist doch außerdem ein gutes Training für Wortschatz und Schreibstil. 😉

    Ach und zum Thema Presseausweis und wichtig: Angeber! 😛

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