Geheimwaffe Vorlesen

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Meine Frau ist mit ihrer Korrekturarbeit fertig, ohne auch nur eine Seite gelesen zu haben. Wie das möglich ist? Ich habe ihr meinen kompletten ersten Roman vorgelesen. Und das war unglaublich lehrreich.
Schon nach wenigen Seiten habe ich mich über so manche Macke von mir geärgert und sie fortan wegimprovisiert. Man hinterfragt plötzlich Textstellen, die beim stillen Lesen unauffällig wirken. Auch storytechnisch kam mir vieles mit einem Mal unglaubwürdig oder spanisch vor.
Dazu hat mir Sarah das Manuskript am Ende einigermaßen um die Ohren gehauen. Nach anfänglichem Panzerausfahren und Aus-Prinzip-Verteidigen habe ich die Schwachstellen aber selbst gesehen. Mittlerweile stören sie mich sogar so sehr, dass ich mich mit riesigem Eifer in eine große Überarbeitungs-Schlacht geschmissen habe. Tagelang habe ich geplottet, um blassen Charakteren mehr Hintergrund zu verleihen. Ganze Szenen werden entfallen, neue werden geschrieben. Handlungsstränge werden angepasst, Perspektiven hinzugefügt. Das klingt zunächst ziemlich gravierend. Im Grund sind das alles aber nur Feinarbeiten, die den feststehenden Rahmen merklich aufpolieren sollen. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass mein Roman dadurch deutlich besser wird.
Wenn ich mein Manuskript das nächste Mal mit einem erleichterten Seufzen überarbeitet habe, dann soll endlich die zweite Version vor mir liegen. Dann werden drei bislang noch zurückgehaltene Korrekturleser auf die in neuem Glanz strahlenden Seiten losgejagt. Und dann bin ich einer möglichen Bewerbungsphase einen großen Schritt näher gekommen.

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